Kastration - Sterilisation

Das Thema Kastration ja oder nein ist sehr umstritten, jeder sollte sich diesbezüglich seine eigene Meinung bilden. Nach § 6 des Tierschutzgesetzes dürfen Kastrationen nur dann durchgeführt werden, wenn eine medizinische Indikation vorliegt. Vor jedem Eingriff sollte nach unserer Erfahrung mit mindestens zwei Tierärzten Rücksprache gehalten werden. Wir möchten an dieser Stelle auf den Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation eingehen und die Vor- und Nachteile beider Methoden im Vergleich zu unkastrierten / unsterilisierten Hunden darstellen und auch auf die Eigenarten bei Hündinnen und Rüden eingehen.

Unterschied Kastration / Sterilisation:

Kastration leitet sich von dem lateinischen Wort „castratus“ ab, das „Entmannung bedeutet. Hier werden bei weiblichen Tieren die Eierstöcke und teilweise vorbeugend auch die Gebärmutter entnommen, bei Rüden werden die Hoden entfernt. Die Hormonproduktion wird so gänzlich gestoppt. Im Gegensatz dazu steht die Sterilisation (Unfruchtbarmachung), bei der die Geschlechtsorgane nicht entfernt, sondern die Ei- bzw. Samenleiter durchtrennt werden. Die Hormonproduktion besteht jedoch weiterhin.

Bild 1 
Quelle Abb. 1 und 2. : http://www.wzrv.de/rund/artikel.php?ID=60

Hündinnen 

Die Läufigkeit:
Hündinnen werden in der Regel zwischen dem 6. und dem 12. Monat das erste Mal läufig, große Rassen später als kleine Rassen.
Man unterscheidet die folgenden Phasen:

 1. Vorbrunst (Proöstrus):
- vergrößerte Schamlippen
- rötlicher Ausfluss aus
- Verhalten der Hündin kann sich bereits einige Tage vorher verändern (ängstlich, sehr anhänglich, aggressiv gegenüber gleichgeschlechtlichen Artgenossen…)
- In dieser Phase werden Rüden noch abgewehrt
- Dauer: zwischen 3-16 Tage, im Durchschnitt 9 Tage. Wenn der Ausfluss nachlässt und die Hündin Rüden an sich heranlässt, kommt sie in die Standhitze.

 2. Standhitze (Östrus):
- Schambereich ist immer noch vergrößert
- Ausfluss wird klar
- Paarungsbereitschaft der Hündin wird durch Annäherungsversuche ihrerseits und durch das zur-Seite-Schieben der Rute deutlich
- Proöstrus und Östrus dauern zusammen ca. 3 Wochen

 3. Späte Phase (Metöstrus):
- Rüden werden nicht mehr herangelassen
- Schwellung geht zurück
- Gelegentlich tritt noch Ausfluss auf

 4. „Zwischenbrunst“ (Diöstrus):
- Abhängig davon, ob eine Befruchtung erfolgt ist, oder nicht.
- Dauer ca. 75 Tage
- Es wird ein Gelbkörper gebildet – ohne Befruchtung bildet er sich nach 10 bis 15 Tagen wieder zurück
- Eventuell tritt hier ohne Befruchtung eine Scheinschwangerschaft auf.
- In dieser Phase besteht das Risiko zur Gebärmuttervereiterung (Pyometra).
- Ohne Trächtigkeit bilden sich nach einigen Tagen die Drüsen und Schleimhaut zurück.

Sterilisation der Hündin:
Wie bereits beschreiben werden hier nur die Eileiter durchtrennt, d.h. dass die Hündin weiterhin einen normalen Sexualzyklus hat. Sie wird weiterhin läufig, da die Hormonproduktion noch funktioniert – nur kann sie nicht mehr befruchtet werden. Alle Risiken bzw. „Nebenwirkungen“ der Läufigkeit bleiben bestehen: Gebärmutterentzündung (Pyometra), Scheinschwangerschaft, Prolaps, Stimmungsschwankungen, erhöhtes Risiko für Gesäugetumore.

Kastration der Hündin:
Auch hier ist umstritten, zu welchem Zeitpunkt eine Kastration vorgenommen werde sollte: Einige vertreten die Meinung, man sollte ein bis zwei Läufigkeiten abwarten, andere sind Befürworter der Frühkastration. Vorteile der Frühkastration: Das Risiko von Gebärmutterentzündungen sowie von Gesäugetumoren ist fast gänzlich ausgeschlossen. Umstritten bleibt hier, ob eine Frühkastration die Entwicklung und Reifung der Hündin hemmt – wir haben jedoch bislang diese Erfahrung nicht machen können, es gibt auch keine Studien, die dieses belegen würden. Bei einer Kastration zu einem späteren Zeitpunkt bleibt das Risiko der Gebärmutterentzündung bestehen, in diesen Fällen sollte immer die Gebärmutter mitentfernt werden. Das Gesäuge ist voll entwickelt, dementsprechend ist hier das Risiko von Gesäugetumoren größer als bei einer Frühkastration.Unabhängig von der Einstellung gegenüber einer Kastration sollte sie bei Hündinnen durchgeführt werden, die zu ständigen Scheinschwangerschaften, Gebärmutterentzündungen oder anderen Unterleibserkrankungen leiden.

Hormonelle Unterdrückung der Läufigkeit:
Bei Hündinnen gibt es neben Kastration und Sterilisation auch noch die Möglichkeit, die Läufigkeit durch unterdrückende Hormonspritzen zu verhindern. Nach unseren Erfahrungen und gemäß der Aussagen viele Tierärzte führt dieses jedoch nach mehrfacher Gabe zu einer Vereiterung Gebärmutter und ist aus unserer Sicht daher nicht zu empfehlen.

 Rüden


Sterilisation bei Rüden
Bei Rüden werden bei der Sterilisation ebenso wie bei den Hündinnen die Samenleiter durchtrennt. Dieses hat allerdings keinerlei Einfluss auf hormonell bedingtes Verhalten oder dadurch entstehende gesundheitliche Risiken.

Kastration bei Rüden
Die Kastration bei Rüden ist noch umstrittener als bei Hündinnen, da sie oft aus falschen Motiven gewünscht wird. Eine Kastration verändert nicht das gesamte Verhalten des Hundes – nur hormonell bedingte Verhaltensweisen, wie z.B. Streunen, Aggressivität besonders gegenüber anderen Rüden, Rastlosigkeit, übermäßiges Markieren, oder sexuell krankhaftes Bespringen anderer Lebewesen oder Gegenstände.Erlerntes und anerzogenes Verhalten kann durch eine Kastration nicht verändert werden – so wird sich ein sexuell triebstarker Hund, wenn er das hormonell bedingte Verhalten verinnerlicht (erlernt) hat, auch durch eine Kastration nicht ändern – hier helfen nur Erziehung und Konsequenz. Ebenso wie bei der Hündin ist hier der Zeitpunkt viel diskutiert. So berichten einige von kindlicherem Gemüt bei Frühkastraten. Gerade bei Rüden kann es zu einer Verzögerung des Epiphysen- Fugenschlusses kommen wodurch die Röhrenknochen länger wachsen als bei unkastrierten Tieren – diese Hunde werden größer als andere ihrer Rasse. Auch beim Rüden gibt es natürlich medizinische Indikationen, die eine Kastration notwendig machen: wie z.B. Hypersexualität oder eine übermäßige Hormonproduktion, welche zu Nierenschäden und Prostataleiden führen kann – ganz abgesehen von der psychischen Belastung für den Hund in einer solchen Verfassung. Auch wenn eine hundertprozentige Kontrolle des Rüden in der Nähe einer läufigen Hündin nicht gewährleistet werden kann – oder in einem gemischten Rudel die strikte Trennung nicht möglich ist – sollte eine Kastration in Erwägung gezogen werden, um ungewollten Nachwuchs zu vermeiden.

Chemische Kastration des Rüden
Hier wird hormonell eine Kastration vorgetäuscht. Der Hormonfluss des Rüden ist für einen begrenzten Zeitraum eingeschränkt. Allerdings reagiert jeder Rüde anders auf diese Behandlung, bei einigen schlägt sie sogar so gut wie gar nicht an.

Man darf nie aus den Augen lassen, dass eine Kastration und auch eine Sterilisation ein medizinischer Eingriff ist, der mit Risiken behaftet ist. Niemand sollte aus Bequemlichkeit leichtfertig einen solchen Eingriff an seinem Tier vornehmen lassen.